An Angels Dream – Einleitung

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Sieh dort auf die alte Stadt, Konstantinopel auf den sieben Hügeln, das durch sein ungleiche Höhen noch größer erscheint, als es wirklich ist. Die Blume des Ostens, Schatzkammer der Christenheit, Zentrum der Welt. Ein Traum aus Pinien- und Zypressenhainen, Gärten und Palästen, in dem sich Moscheen und Türme reizvoll und scheinbar symmetrisch vor euch erheben. Die Stadt gleicht einem güldenen Schrank, in dem von der Hand des größten Künstlers geziert, Vasen über Vasen getürmt und mit Blumenkörben, Büchsen, Puppen und Leuchtern vereinigt wurden.

Konstantinopel, du prächtige, vor der Rom verblasst, Sarmakand erzittert, und selbst das große Alexandria in Unwissenheit vergeht.

Ist es nicht die äußerste Unvereinbarkeit, wenn wir hier heiter und übersättigt beim Mahle sitzen, uns aber inzwischen um das Weinen der andern, die zu dieser Zeit durch die Straße vorbeiziehen, nicht nur nicht kümmern, sondern uns über dieselben auch noch entrüsten, sie Schwindler nennen? Mensch, was redest du…? Sollte sich jemand einzig eines Stückes Brot und seines Blutes halber verstellen? … Ja, – wirst du sagen. Als dann soll man sich aber umso mehr seiner erbarmen, um so eiliger ihn aus der Not befreien. Willst du ihm jedoch keine Gabe reichen, nun so beleidige ihn wenigstens nicht; willst du ihm nicht aus dem Verderben heraushelfen, nun so stoße ihn wenigstens nicht in den Abgrund.

(Johannes Chrysostomus, um 350 – 407, griechischer Kirchenlehrer, berühmter Prediger und seit 397 Patriarch von Konstantinopel)

Wir schreiben das Jahr 633, acht Jahre nach der verheerenden Belagerung Konstantinopels durch die Perser hat der Kaiser Basileus Herakleios die Grenzen des Reichs wiederhergestellt. Die Bevölkerung atmet auf, das Korn aus dem fernen Ägypten erreicht wieder die Haupstadt und eine neue Blüte der Kultur und Wissenschaft steht unmittelbar bevor. An der Universität lehrt der berühmte Stephanos von Alexandria und das Kreuz Christi wurde vom Kaiser persönlich den Persern entrissen und zurück ins Heilige Land gebracht. Doch die Ruhe ist trügerisch, im vom Krieg gebeutelten Pöbel rumort es, die Kirche ist vom Streit über die Darstellung und das Wesen Christi zerissen und auch die Spannungen zwischen den Kainskindern der Stadt nehmen von Tag zu Tag zu.

Die Kainskinder Konstantinopels

Konstantinopel besitzt keinen nominellen Prinzen sondern wird von einem komplexen Ständesystem regiert. Drei Häuser bestehend aus den Nachkommen der drei Engeln Konstantinopels bilden die Dreifaltigkeit/Trinity Gottes nach und beherrschen die Stadt. Jedes Haus erfüllt dabei eine festgelegte Funktion und jedes Haus wird bei seinen Aufgaben von jeweils drei Linien von Vasallen unterstützt. Dringt eine der Linien oder der Häuser in ein Einflussgebiet eines anderen Mitgliedes ein so wird der Streit vor den drei Quaesitoren der Stadt von denen jedes Haus einen stellt ausgetragen und gerichtet (mehr).

Der Status eines Kainskindes in Konstantinopel erschließt sich daher zum einen aus seiner Herkunft und zum anderen aus seinem Ansehen. Ein Mitglied eines hohen Hauses der Trinity steht über einem Mitglied einer Linie der Vasallen und weit über einem Kainskind das keiner Linie bzw. keinem Haus angehört.

Das Gastrecht in der Metropole kann nur von einem Quaesitor oder einem seiner Vertreter gewährt werden. Das Bürgerrecht dagegen kann nur durch die Zustimmung von allen drei Quaesitoren oder die Adoption in eine Linie/Haus erworben werden.

Die Kainskinder Konstantinopels folgen nicht den klassischen sechs Traditionen sondern einem Regelwerk das die  Linie der Lexor über Jahrhunderte erarbeitet und von den Quaesitoren der Trinity beschlossen wurde, dem Kodex der Engel.

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