Drogen

  • Alraune
    Wohl die faszinierendste mittealterliche Heil- und Zauberpflanze. Sie kam seit dem frühen MA. aus Südeuropa nach Deutschland, wo sie nicht heimisch ist.
    Das niedrige, krautartige Gewächs hat breite, blassgrüne Blätter, glänzendgelbe Blüten, rote, beerenähnliche Früchte und einen zwei- bis dreiteiligen dicken Wurzelstock, der senkrecht in die Erde wächst und vom Geflecht der Wurzelfasern überzogen ist. In dem Wurzelstock erkannte man bei einiger Phantasie eine menschliche – weibliche oder männliche – Gestalt, was wohl der Grund für die besondere Wertschätzung in der Volksheilkunde war.
    Um nicht durch den schrecklichen Schrei, den die Wurzel beim Ziehen ausstößt, Schaden zu nehmen, sollte man sich die Ohren verstopfen oder die Wurzel von einem Hund ausreißen lassen, an dessen Halsband sie mit einer Schnur angebunden war. Der Hund hatte die Prozedur dann prompt mit seinem Leben zu bezahlen.
    Unter einem Galgen gewachsene Wurzeln hießen “Galgenmännchen”; ma. Annahme zufolge sollten sie aus dem Urin (Schweiß, Ejakulat) eines unschuldig Gehenkten entstanden und von besonderer Heilkraft sein. Sie sollte vergrabene Schätze anzeigen, hieb-, stich- und kugelfest machen, Glück und Reichtum ins Haus bringen und diverse Krankheiten heilen (z.B. Epilepsie, Schwermut, Augenkrankheiten). Neben der vom Volksglauben suggerierten mystisch-zauberischen Wirkung zeitigte die Mandragorapflanze physiologische Wirkungen aufgrund der in den kugeligen Früchten enthaltenen Alkaloide. Deretwegen wurden Fruchtauszüge bei Schwergeburten verordnet und waren häufiger Bestandteil von Hexensalben. Von Heilkundigen wurde der Alraunwurzel Wirkung als Aphrodisiakum zugeschrieben. Außerdem wurden Alraunpräparate – häufig zusammen mit anderen Mitteln – in schmerzstillenden, beruhigenden und schlaffördernden Rezepturen verwendet. Bei Überdosierung konnte es aufgrund der toxischen Wirkung der in allen Pflanzenteilen enthaltenen Alkaloide zum Tod durch Atemlähmung kommen. Von daher ist A. eine der geläufigsten Giftpflanzen des MA. gewesen. Eine große Rolle spielten Räucherungen mit der getrockneten Wurzel eine große Rolle. Hier haben die eingeatmeten Dämpfe eine starke psychotropische Wirkung. Wegen seines unangenehmen Geruchs sollten dem Räucherwerk noch andere Stoffe beigenmengt werden.
    Infolge der hohen Preise, die für echte Alraunwurzeln gezahlt werden mußten, fanden Betrüger Ersatz in den Wurzeln der Zaunrübe und des Allermannsharnisch (Siegwurz), die allerdings erst mit dem Schnitzmesser in entsprechende Form gebracht werden mussten.
  • Bilsenkraut
    Bis zu 70 cm hohe, widerlich riechende Pflanze mit zottig behaarten, gesägten klebrigen Blättern und zahlreiche Samen enthaltenden Fruchtkapseln. Wichtige mittelalterliche Heil-, Gift-, Schmerz-, Schlaf- und Zauberdroge, enthält – am konzentriertesten in den Samenkörnern und in der Wurzel – Alkaloide deren Wirkung ähnlich jener der Tollkirsche ist. Dioskurides empfiehlt, bei Zahnweh den Rauch von B. an die schmerzende Stelle zu leiten. In der ma. Volksmedizin fand sie als Schmerzmittel Verwendung. Tränke aus Bilsenkrautsamen wurden mitunter den Delinquenten zur Ruhigstellung vor ihrer Hinrichtung verabreicht.
    Die Klostermedizin empfiehl äußerliche Anwendungen (gegen Kopf-, Ohren- und Zahnschmerz), lediglich bei starkem Blutspeien wird ein Trank von Bilsenkraut empfohlen. Bei hoher Dosierung sei „Wahnwitz“ und Tod zu befürchten. Da man dem Bilsenkraut auch eine stark aphrodisierende Wirkung zuschrieb, wurden in den Badestuben des Mittelalters Bilsenkrautsamen auf glühende Kohlen gestreut, um die Badegäste in eine erotische Stimmung zu versetzen. Bilsenkrautauszüge wurden bis in die Neuzeit dem Bier beigemischt, um seine berauschende Wirkung zu steigern.
  • Fliegenpilz
    Enthält das giftige Alkaloid Muscarin. Der Name „Fliegenpilz“ rührt daher, dass ein von ihm bereiteter Aufguss Fliegen anlocken und töten sollte. Zubereitungen aus dem getrockneten und pulverisierten Fruchtkörper wurden als Aphrodisiaka und zur Herbeiführung eines rauschartigen Zustandes benutzt, der von Euphorie über Erregung bis zu Krämpfen und Bewusstlosigkeit gehen konnte.
  • Mönchspfeffer
    Wurde als Gewürz angepflanzt und als Aphrodisiakum empfohlen und häufig benutzt. Es sollt die sog. Körpersäfte in Wallung bringen und für eine hohe Potenz sorgen.
    Seine Wirkstoffe – vor allem ätherische Öle – wirken auch positiv auf die Gelbkörperbildung (Luteinisation), was eine schwangerschaftsfestigende Wirkung hat.
  • Mutterkorn
    Schwärzliche, hornförmige Auswüchse auf Ähren von Roggen.
    Sie werden bei feuchter Witterung durch den Pilz Claviceps purpurea hervorgerufen. Dieser Pilz enthält giftige Lysergsäure-Alkaloide, welche die Brotsäuche verursachten. Die Brotseuche trat entweder als Gewebebrand oder als epileptischer Krampf mit Ohnmachten auf, nach denen die Patienten oft von Visionen berichteten, die übernatürlichen Ursachen zugeschrieben wurden. (Heute weiß man, dass einige Clavicepsarten das Alkaloid Ergonovin enthalten, das mit LSD identisch ist.) Mutterkorn konnte als psychotrope Droge eingenommen worden sein. Hebammen wandten Mutterkorn-Präparate wegen ihrer Uterus anregenden und blutungsstillenden Eigenschaften als pulvis parturiens zur Wehenanregung und als Hämostyptikum an, auch als Abtreibungsmittel wurde es eingesetzt.
  • Nachtschatten
    Wurde als Mittel gegen den von Dämonen bewirkten Alpdruck („Nachtschaden“) verwendet. Die Wirkung wurde einem der Pflanze innewohnenden, noch kräftigeren elbischen Dämon gutgeschrieben. Die Inhaltsstoffe der Stängel – Alkaloide und Saponine – verursachen zentralnervöse Wirkungen wie Sinnestäuschungen und Trugbilder. Daneben verwendete man die Droge gegen Gicht- und Rheumaschmerzen, Hautausschläge, Husten und als harntreibendes Mittel. Der „Macer floridus“ empfiehlt ausschließlich äußerliche Anwendung, und zwar bei Ohr- und Kopfschmerz, bei Hautjucken und –ausschlägen und bei Brotseuche.
  • schwarzer Nachtschatten
    Wegen seiner zentralnervösen Wirkung (erotisch gefärbte Halluzinationen) häufiger Bestandteil der Hexensalben. Es wurde eine äußerliche Anwendung bei Herzschwäche, Zahnschmerzen und geschwollenen Füßen empfohlen.
  • Stechapfel
    Der bis zu 1 m hohe kahle Stängel verzweigt sich erst im oberen Teil. In den oberen Blattachsen erscheinen im Juni/Oktober trichterförmige weiße Blüten; diese öffnen sich erst abends und verströmen einen berauschenden Duft. Die Frucht ist eine eiförmige, walnussgroße, stachelige Kapsel, die viele kleine braune Samenkörner („Tollkörner“) enthält. Die Pflanze war bei uns nicht heimisch und wurde wahrscheinlich im Mittelalter von zuwandernden Zigeunern mitgebracht. Zigeunerfrauen sollen die Samenkörner für heil- und zauberkräftig gehalten und damit Wahrsagerei betrieben haben. Sämtliche Pflanzenteile – besonders aber Wurzel und Samen – enthalten die Alkaloide Hyoscyamin, Skopolamin und Atropin; wegen derer halluzinogenen und narkotisierenden Wirkung fand sich die Droge in vielen Zaubermitteln, Hexensalben und Liebestränken. Wegen seiner berauschenden Wirkung wurde Stechapfelkraut mitunter dem Bier zugesetzt. In der Volksmedizin fand sie in Zubereitungen gegen Husten und Asthma Verwendung. Vor allem Stechapfel -wurzel und -samen sind stark Alkaloidhaltig und wurden als tödliches Gift verwendet.
  • Opium
    Dunkelbraune, bittere Substanz aus eingetrocknetem Milchsaft unreifer Fruchtkapseln des Schlafmohns.
    Opium kam aus orientalischen Ländern (Persien, Indien) sowie aus Ägypten nach Europa. Es enthält mehrere, unterschiedlich wirkende Alkaloide, darunter Morphin (schmerzstillend), Narcotin und Codein (sedativ), Papaverin (reflexsteigernd) und Thebain (tetanisierend). Insgesamt überwiegen die narkotisierenden, antiemetischen und antiperistaltischen Wirkungen. Überdosierung führt durch Lähmung des Zentralnervensystems (bes. des Atemzentrums) zum Tod.
    Rhazes und Avicenna kannten die Wirkung der Droge als Schlaf- und Betäubungsmittel und warnten vor Überdosierung. Al-Biruni beschrieb die Toleranz- und Suchtprobleme. Johannes v. St. Amand weist in seinen “Aureolae” besonders auf die Gefahren des Rauschmittels hin, dessen Wirkung er mit der durch Alkoholgenuss verursachten Bewusstseinstrübung vergleicht. Als beste Qualität galt das aus dem ägyptischen Theben stammende (Opium); das Thebaicum.
  • Blauer Lotus
    Ist auch unter dem Namen Nymphea Coerulea bekannt und wurde erstmals im alten Ägypten erwähnt. Die Ägypter schätzten die Pflanze zum einen wegen ihrer Duftstoffe und zum anderen, wegen ihrer berauschenden Wirkung. Blauer Lotus versetzte sie in ekstatische Zustände. Beim Genuss der Droge werden gezielt Halluzinationen hervorrufen.
    Blauer Lotus wurde getrocknet und in heißen Wasser als Tee zu sich genommen oder die getrockneten Blätter des blauen Lotus wurden geraucht.
    Blauer Lotus entfaltet hypnotische Wirkungen, die ein mildes Gefühl der Beruhigung vermittelt. Es wirkt darüber hinaus auch betäubend und lindert Schmerzen.
    Vielfach wird von halluzinogenen Erfahrungen, wie veränderten Farbwahrnehmungen berichtet.
    Ebenfalls kann blauer Lotus, im Gegensatz zu einer beruhigenden Wirkung, auch ekstatische und euphorische Zustände hervorrufen.
    In diesem Fall kann die Libido durch den Konsum von blauem Lotus angeregt werden.

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